Zertifizierung

Die Produktzertifizierung nach STANDARD 100 by OEKO-TEX® bietet den Unternehmen entlang der textilen Kette ein optimales Instrument und einen klaren Mehrwert für ihre betriebliche Qualitätssicherung. Das vom beauftragten Institut oder der zuständigen Zertifizierungsstelle ausgestellte OEKO-TEX® Zertifikat gilt für die Dauer von 12 Monaten. Es dokumentiert, dass die darauf aufgeführten Artikel erfolgreich nach dem STANDARD 100 by OEKO-TEX® überprüft wurden und den Anforderungen einer gemeinsamen Produktklasse entsprechen.

Vorteile

Auf der Grundlage der weltweit einheitlichen Anwendung der OEKO-TEX® Prüfkriterien schafft eine Zertifizierung nach STANDARD 100 by OEKO-TEX® für Textil- und Bekleidungsunternehmen mehr Transparenz in den Lieferbeziehungen und erleichtert den Informationsfluss bezüglich möglicher Problemstoffe.

Das trägt zu einer höheren Produktionssicherheit bei und steigert gleichzeitig die Verkaufschancen der eigenen Produkte, da zahlreiche Abnehmer innerhalb der textilen Kette die OEKO-TEX® Kriterien mittlerweile als festen Bestandteil ihrer Lieferbedingungen fordern.

Ein weiterer Vorteil des OEKO-TEX® Systems ist die gleichmäßige Verteilung der Kosten für den Zertifizierungsaufwand auf die Schultern aller beteiligten Unternehmen entlang der textilen Kette.

Die Verantwortung für die humanökologische Sicherheit der hergestellten Artikel trägt derjenige, der produktionsbedingt in der Lage ist, den Einsatz von Chemikalien bei Zusätzen und Ausrüstungen zu verändern.

Durch die Nutzung bereits zertifizierter Ausgangsmaterialien kann der finanzielle Aufwand für Doppelprüfungen zudem vermieden werden. In den einzelnen Produktionsstufen wird grundsätzlich nur geprüft, was neu hinzukommt.

Voraussetzungen

Textilprodukte dürfen nur nach STANDARD 100 by OEKO-TEX® zertifiziert werden, wenn sämtliche Bestandteile ausnahmslos den geforderten Kriterien entsprechen. Eine Zertifizierung erfolgt auf schriftlichen Antrag des Herstellers an eines der autorisierten Prüfinstitute oder offiziellen Ansprechstellen rund um den Globus. Geprüft werden die eingesandten Musterproben ausschließlich in den Mitgliedsinstituten in Europa und Japan um ein gleichbleibend hohes Prüfniveau zu gewährleisten.

Voraussetzung für die Zertifikatsausstellung durch das beauftragte Prüfinstitut bzw. die zuständige Zertifizierungsstelle bildet eine Konformitätserklärung des Herstellers, dass die erfolgreich überprüften Textilmuster während der zwölfmonatigen Lizenzdauer jederzeit mit der Qualität der hergestellten bzw. vertriebenen Produkte übereinstimmt.

Eine weitere Voraussetzung der OEKO-TEX® Produktzertifizierung sind Firmen-Audits in deren Rahmen die Auditoren der OEKO-TEX® Prüfinstitute gemeinsam mit den antragstellenden Unternehmen die betriebliche Qualitätssicherung und Produktionsabläufe durchleuchten, um optimale Zertifizierungsbedingungen zu schaffen und für die Dauer der Zertifizierung gleichbleibende humanökologische Produktqualität zu gewährleisten.

Fester Bestandteil einer OEKO-TEX® Zertifizierung sind darüber hinaus regelmäßige Produktkontrollen, welche die OEKO-TEX® Institute zur Einhaltung der geforderten Kriterien regelmäßig im Markt durchführen.

Kosten

Der finanzielle Aufwand für die OEKO-TEX® Zertifizierung setzt sich aus einer Lizenzgebühr, den Kosten für die Firmen-Audits durch das beauftragte Prüfinstitut sowie den (je nach Prüfaufwand unterschiedlichen) Laborkosten zusammen. Ein Kostenvoranschlag kann jederzeit beim zuständigen Institut eingeholt werden.

Die Erweiterung eines Zertifikats wird gegen eine Bearbeitungsgebühr durchgeführt. Die Kosten für die Laborprüfung richten sich nach dem Prüfaufwand für die neu hinzu kommenden Produkte.

Die obligatorischen Firmen-Audits durch das beauftragte Prüfinstitut finden in einem Zyklus von drei Jahren statt und werden bei Fälligkeit gemeinsam mit der Lizenzgebühr abgerechnet.

Erstzertifizierung
Zertifikatsverlängerungen
Zertifikatserweiterungen
Antrag mit Verpflichtungserklärung

Voraussetzung für eine Produktzertifizierung nach STANDARD 100 by OEKO-TEX® ist ein formeller und rechtsverbindlicher Antrag an ein autorisiertes Institut der Internationalen OEKO-TEX® Gemeinschaft. Jedes Antragsformular umfasst neben Fragen zur Produktdeklarierung auch eine Verpflichtungserklärung, Vordrucke für die Auflistung der Lieferanten von Ausgangsmaterialien, der eingesetzten Farbstoffe und der verwendeten Hilfsmittel sowie ein Blatt zur genauen Beschreibung von Musterproben bei Bodenbelägen, Schaumstoffen und Matratzen.

Die im Antrag auf Zertifizierung vom Hersteller gemachten Angaben ermöglichen es, den Warenfluss von den Ausgangsmaterialien bis zum Endprodukt systematisch zu erfassen. Sie dienen den Prüfinstituten als Grundlage für die Bestimmung des Prüfumfangs sowie zur Bildung von möglichst gleichartigen Artikelgruppen, die gemäß den Anforderungen einer gemeinsamen Produktklasse überprüft werden.

Korrekte und vollständige Angaben erleichtern und beschleunigen den Zertifizierungsablauf. Wichtig ist, dass jedes Unternehmen ein eigenes Zertifikat für seine Verkaufsprodukte benötigt. Auf diese Weise wird dokumentiert, dass die Anforderungen des OEKO-TEX® Kriterienkatalogs konsequent in die eigene Qualitätssicherung integriert wurden.

Das Antragsformular enthält zur systematischen Erfassung der Produktdaten sowohl allgemeine Fragen als auch Pflichtangaben, die für einzelne Verarbeitungsstufen entlang der textilen Kette spezifisch sind. Dies sind zum Beispiel:

  • Angabe von Faserinkorporationen und -präparationen (Garnhersteller)
  • Auflistung der Garnlieferanten (Gewebehersteller)
  • Angabe der durchgeführten Färbungen, Druckverfahren und Ausrüstungen (Veredler)
  • Nennung der Lieferanten sämtlicher Bestandteile des Produkts, vom Stoff über Einlagen bis hin zum Zubehör (Konfektionär)

Verpflichtungserklärung

Mit Unterzeichnung der Verpflichtungserklärung übernimmt der Antragsteller die Haftung für die Richtigkeit aller im Antrag gemachten Angaben. Er verpflichtet sich insbesondere dazu, jede Änderung bezüglich Rohstoffeinsatz, Verfahrenstechnik und Rezepturen unverzüglich dem beauftragten Prüfinstitut bzw. der zuständigen Zertifizierungsstelle zu melden.

Darüber hinaus erkennt das Unternehmen die Regeln des OEKO-TEX® Zertifizierungssystems an und verpflichtet sich, diese z. B. bei der Labelnutzung korrekt umzusetzen. Dazu gehört auch die Pflicht, nach Ablauf bzw. im Falle eines Widerrufs bestehender Zertifikate dafür zu sorgen, dass eine weitere Kennzeichnung und Bewerbung seiner Produkte mit dem OEKO-TEX® Label unterbleibt.

Auswahl repräsentativer Mustermaterialien

Hinweise zur Auswahl

Die Prüfmuster müssen die gesamte Artikelgruppe abdecken, da sich daran die Formulierung der zu zertifizierenden Artikelgruppierung orientiert.

Eine unvollständige Musterauswahl kann zur Einschränkung der zertifizierten Artikelgruppe führen.

Verpackungsregeln

Die Verpackung der Prüfmuster muss bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen, um die Proben zu schützen und um richtige, reproduzierbare und aussagefähige Prüfresultate zu gewährleisten:

  • Prüfmuster jeweils einzeln in reißfesten Polyethylenfolien bzw. Polyethylensäcken verpacken. Dadurch werden Kontaminationen beim Transport vermieden.
  • Verpackung durch zweimaliges Einschlagen und Verkleben mit einem Klebeband verschließen.

Verpackung von Ausstattungsmaterialien

  • Prüfmuster in durchsichtigen Kunststoffbeuteln einzeln und luftdicht verpacken (zwingend notwendig für Emissionsprüfung!).
  • Prüfmusterbeschreibung laut Anhang des Antrags auf Zertifizierung unbedingt beifügen.

Ausschließliches Verpacken der Prüfmuster in Kartons und/oder Papier ist unbedingt zu vermeiden!

Laborprüfung

Im Anschluss an die systematische Erfassung der Produkt- und Produktionsdaten erstellt das beauftragte Prüfinstitut zunächst einen individuellen Prüfplan für die zu testenden Artikel(-gruppen).

Danach wird das Textil im Rahmen einer genau definierten worst-case Methodik auf die Parameter des OEKO-TEX Kriterienkatalogs überprüft. Getestet werden also z. B. Artikel mit der stärksten Beschichtungsauflage, der dunkelsten Einfärbung oder der höchsten Ausrüstungsmenge.

Prüfbericht

Nach der Laborprüfung der eingereichten Musterproben des Antragstellers erstellt das beauftragte Prüfinstitut einen individuellen Prüfbericht, aus dem hervorgeht, dass die Prüfmuster für die zu zertifizierende Artikelgruppe repräsentativ sind.

Der Prüfbericht dokumentiert die Prüfergebnisse detailliert und zeigt dabei Überschreitungen und Nachbesserungen besonders auf. In Übereinstimmung mit der Antragstellung des Unternehmens wird nach den Anforderungen der ausgewählten Produktklasse geprüft. Die entsprechenden Grenzwerte der jeweiligen Produktklasse werden als Bewertungsmaßstab eingesetzt.

Dem Prüfbericht ist eine Anmerkung des Instituts beigefügt, in der eine Zertifikatsausstellung für die gewünschte Artikelgruppe mit Angabe der gemeinsamen Produktklasse aufgrund der Prüfergebnisse befürwortet wird. Die Kosten der durchgeführten Prüfungen und die Erstellung des Prüfberichtes werden vom Institut in Rechnung gestellt.

Konformitätserklärung

Um erfolgreich überprüfte Produkte mit dem Label "Textiles Vertrauen" auszeichnen bzw. bewerben zu dürfen, müssen die Antragsteller vor der Zertifikatsausstellung im Rahmen einer Konformitätserklärung gemäß EN 45014 schriftlich erklären, dass ihre Artikel aus der laufenden Produktion während des gesamten Lizenzzeitraums von 12 Monaten aus humanökologischer Sicht jederzeit mit der Qualität der eingereichten Musterproben übereinstimmen, also konform gehen. Voraussetzung dafür ist die Einrichtung eines geeigneten betrieblichen Qualitätssicherungssystems, das vom beauftragten Institut anerkannt werden muss.

Mit Abgabe der Konformitätserklärung übernimmt der Antragsteller die alleinige Verantwortung für die Qualität seiner hergestellten bzw. verkauften Produkte. Allerdings ist es möglich, Teile der Qualitätssicherung auf andere Hersteller, Lieferanten und Importeure zu übertragen. Im Falle einer solchen Übertragung sind die Maßnahmen zur Sicherstellung der Produktqualität ebenfalls glaubhaft dem zuständigen Institut darzulegen.

Durch die schriftliche Konformitätserklärung erkennt der Antragsteller außerdem an, dass die OEKO-TEX® Gemeinschaft während der Laufzeit des bestehenden Zertifikats dazu berechtigt ist, zur Einhaltung der garantierten Produktqualität Kontrollprüfungen an bis zu zwei zertifizierten Produkten auf Kosten des Lizenznehmers durchzuführen.

Firmen-Audits

Ein weiterer Bestandteil der OEKO-TEX® Zertifizierung ist neben den schriftlichen Dokumenten und der Laboruntersuchung der eingereichten Prüfmuster ein Firmen-Audit in der Betriebsstätte des Antragstellers, in denen die zertifizierten Artikel hergestellt werden.

Bei Neuzertifizierungen finden die Firmenbesuche durch die Auditoren des beauftragten OEKO-TEX® Mitgliedsinstituts zeitnah im Rahmen der Abwicklung des Zertifizierungsvorgangs statt (spätestens jedoch innerhalb des ersten halben Jahres nach Antragstellung). Grundsätzlich werden die Firmenbesuche alle drei Jahre durchgeführt.

Ziel der Firmen-Audits ist die Sicherstellung optimaler Zertifizierungsbedingungen - sowohl für das beauftragte Prüfinstitut (Verifizierung der technischen Voraussetzungen) als auch für den Antragsteller (bestmöglicher Kosten-Nutzen-Aufwand durch systematische Beratung zu Auswahl der Mustermaterialien, Artikelgruppenbeschreibung, Zertifikatsversionen, Labelnutzung, QM-Maßnahmen etc.).

Prüf- und Zertifizierungsablauf nach STANDARD 100 by OEKO-TEX®